Folgende Themen beschäftigten uns im vergangenen Jahr:

Storchennachwuchs, Frösche an den Froschzäunen, Schutzgebiete, Kinder und Natur, Insektenschutz, Biotopkartierung, Klimaschutz in Bargteheide, NSG Brenner Moor

Liebe Mitglieder und Freunde!


Das Jahr 2021 bescherte uns bei unserem Wappenvogel, dem Weißstorch, erneut einen Rekord: 46 Paare schritten in Stormarn zur Brut, das ist die höchste Zahl, die jemals gezählt wurde. Stormarn ist damit in Schleswig-Holstein der Kreis mit der höchsten Storchendichte. Leider war der Bruterfolg enttäuschend, denn das nasskalte Wetter hat mancherorts ganze Bruten vernichtet. Im Juni und Juli starben bei gutem Wetter weitere Jungstörche, wahrscheinlich an Nahrungsmangel. Bei dem nassen Mai waren auch viele Mäuse eingegangen und fehlten den größeren Jungstörchen als Nahrung.
Dennoch sind 57 Jungstörche ausgeflogen. Allerdings wären bei einer durchschnittlichen Vermehrungsrate durchaus über 80 Junge zu erwarten gewesen. Die Nachwuchsrate liegt mit 1,2 Jungen pro Storchenpaar deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 1,7. Mindestens 1/3 der nachgewiesen geschlüpften Jungen sind umgekommen. Damit muss 2021 als sog. „Störjahr“ verbucht werden.
Und so sehen die einzelnen Nachwuchszahlen aus: Bad Oldesloe Kneeden 0, Bargfeld-Stegen Brooklande 0, Bargfeld-Stegen Tonnenteich 1, Bargfeld-Stegen Mittelweg 2 und 1, Bargfeld-Stegen Wilhelmshöhe 1, Bargfeld-Stegen Elmenhorster Str. 3 u. 1, Bargteheide Andresen 0, Bünningstedt 0, Braak 0, Delingsdorf 0, Eichede 0, Grönwohld 2, Groß Barnitz 3, Großensee 0, Hammoor 2, Heilshoop 2,  Jersbek Lange Reihe 1, Jersbek Hartwigsahler Weg 1, Klein Wesenberg 2, Köthel 0, Kronshorst 2, Langelohe 3, Lasbek-Dorf 3, Lütjensee 0, Meddewade 1, Meilsdorf 2, Mollhagen 2, Neritz 1, Papendorf 2, Poggensee 0, Rethwischfeld 0, Seefeld 4, Sprenge 1, Stellau 2, Stemwarde 2, Sühlen 2, Tangstedt Wilstedt 1, Tangstedt Fahrenhorst 2, Todendorf 2, Tremsbüttel 1, Vinzier 0, Westerau 2, Wiemerskamp 0, Zarpen 0.
Dass es in letzter Zeit ziemlich viel geregnet hat, ist gut für die Natur, denn das Wasserdefizit ist immer noch groß. Für die alljährliche „Storchentour“ zur Reinigung und Reparatur einiger Horste, die im Oktober stattfand, war es aber ungünstig, denn der Boden war an einigen Stellen durchnässt, so dass sich der Hubsteiger in Rümpel festfuhr und von einem hilfsbereiten Landwirt rausgezogen werden musste. Das kostete Zeit und die Tour musste abgekürzt werden, weil an einigen Standorten die Untergrundverhältnisse zu riskant waren. Insgesamt wurden 12 Nester kontrolliert und gereinigt.
Kerstin Kommer hat ihr Ehrenamt als Storchenbetreuerin zum Jahresende aufgegeben. Wir danken ihr für ihren 10-jährigen erfolgreichen Einsatz für unsere Störche. Kerstin bleibt im Vorstand des NABU Bad Oldesloe und ist gerne bereit, Nachfolger in die Storchenbetreuung einzuarbeiten. Andreas Hack bleibt Storchenbetreuer und wir könnten auch ein Team zu seiner Unterstützung aufbauen.

An unserem Froschzaun an der Rehkoppel wurden in diesem Frühjahr 2739 Amphibien über die Straße getragen, fast tausend mehr als letztes Jahr. Die Hauptmasse waren Erdkröten (2045), aber auch Teichmolche (370) und Grasfrösche (240) sind deutlich häufiger geworden, dazu kommen 81 Teichfrösche und 3 Kammmolche. Wir freuen uns, dass diese stark bedrohte Art noch vorkommt und dass der Amphibienbestand an der Rehkoppel wieder zunimmt. Bei Fischbek waren es dieses Jahr nur 108 Amphibien. Das liegt wohl daran, dass im letzten Sommer etwa 400 Amphibien wegen einer Baustelle zum Mühlengrund umgesiedelt wurden und das Wäldchen an der Straße gerodet und neu aufgeforstet wurde. In Bargteheide wurden 216 Kröten an den Straßen Kruthorst, Am Bornberg und Am Hünengrab gerettet. Auch am Bornberg wurde ein Waldstück abgeholzt (ohne Genehmigung) – wieder drohte ein Sommerlebensraum für Amphibien zu verschwinden – aber es gibt eine Neuaufforstung.
    
Die Arbeit in unseren Schutzgebieten war auch 2021 Corona-bedingt oft nur in kleinen Gruppen möglich. Hier ein kurzer Überblick:
An Timms Teich halten wir weiterhin die große Halbinsel frei von Gehölzen und freuen uns über die Trockenrasen mit Golddistel, Sandglöckchen usw..  Einige Knabenkräuter blühten hier und auch in unserem Großseggenried am Brenner Moor, das sich sehr gut entwickelt. 
Im Koberger Moor haben wir erneut den Stockausschlag der Birken und zusätzlich an einigen Stellen Heidekraut geschnitten, denn manche Heideflächen werden vermutlich wegen Überalterung braun. Trotz des Regenwetters sind viele Bereiche der Moorfläche noch recht trocken. Unsere Hoffnung ruht darauf, dass das Land erhebliche Mittel für den Klimaschutz und damit für die Wiedervernässung von Mooren zur Verfügung stellen will. Wenn es gelingt, die tiefliegenden Wiesen am Rand des Moores zu kaufen und den Wasserstand anzuheben, können Klimaschutz und Moorvegetation davon profitieren. Das „Unabhängige Kuratorium Landschaft“, das die Fläche im Koberger Moor gepachtet hat, hat als kurzfristige Maßnahme Fördergelder für die Pflege beantragt. Das würde uns entlasten.
Unsere Feuchtwiese bei Vinzier war erneut schwer zu erreichen, weil auf der Nachbarfläche wieder Mais angebaut wurde. Damit die Wiese dieses Jahr überhaupt einmal gemäht wurde, haben wir zugestimmt, dass dies schon Anfang Juli geschah. Die besonders artenreichen Flächen haben wir abgeharkt und das Mähgut ausgetragen. Eigentlich möchten wir aber, dass die Wiese erst nach dem 15. Juli gemäht wird und das Heu abgefahren und genutzt wird.
Unsere Wiese an der Beste bei Rümpel wurde im Herbst 2020 von irgendjemandem gemäht und das Heu liegengelassen. Wir haben im Winter das meiste zusammengeharkt und an den Rand getragen, eine Klasse der Draußenschule hat daraus 2 große Schlangenburgen gebaut. 2021 wurde die Wiese wieder wie früher gemäht und das Heu mitgenommen.
Der Teufelsteich bei Nütschau drohte im Mai überzulaufen, weil sich der Abfluss zugesetzt hatte. Wir konnten den Abfluss wieder frei bekommen und mit einem neuen Deckel mit Notüberlauf versehen.

Zusammen mit den Kindern der Draußenschule der Stadtschule haben wir eine stabile und allgemeinverständlichere Beschilderung der Obstbäume auf der Obstwiese Höter Berg hergestellt. Drei fehlende Obstbäume wurden gerade ersetzt. Gesponsert wurden die Aktionen von der Gladigau-Stiftung, der Solarkraft Stormarn und einer Privatperson.
Im ehemaligen Pastoratsgarten ist im Sommer 2020 eine große Kirsche auseinandergebrochen. Der Rest musste ebenso gefällt werden wie weitere Bäume, die dadurch beschädigt waren und ihre Standsicherheit verloren hatten. Einem Wintersturm fiel dann auch noch eine Esche zum Opfer. Dadurch ist es lichter geworden und der Garten hat etwas von seinem Wildnis-Charme verloren. Es gab neue Gestaltungsmöglichkeiten und wir haben uns entschlossen, den Garten jeden Mittwoch für eine Klasse der Draußenschule zur Verfügung zu stellen. Sie wird neben der Lehrerin begleitet von Margit Baumann, die bereits seit vielen Jahren die JUNa-Gruppe leitet (Kontakt siehe S. 4 unten). Wir möchten den Kindern etwas Artenkenntnis und Naturverständnis nahebringen, müssen dafür aber in Kauf nehmen, dass sich der Garten durch die intensivere Nutzung verändert. Eifrig sind die Kinder beim Bauen von Naturzäunen, Fledermauskästen, Futterglocken usw.. Die Fledermauskästen sollen hauptsächlich beim Gut Altfresenburg aufgehängt werden, denn dort gibt es viele Fledermäuse.

Zu unsere Arbeitseinsätzen und Besichtigungen in unseren Schutzgebieten laden wir die Aktiven über unseren Mail-Verteiler ein. Wenn Sie in diesen Mail-Verteiler aufgenommen werden möchten, teilen Sie das gerne einem Vorstandsmitglied mit.


Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022   mehr dazu              
                                                                      
In Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Oldesloe sorgen wir dafür, dass die Stadt Vorbild und Vorreiter bei Naturschutzprojekten ist und positiv von sich reden macht:
- Auf der Fortbildung „Was bringt das Saatgut aus der Tüte“ konnten wir das Pflegekonzept für die Oldesloer Insektenschutzflächen vorstellen und bekamen von allen Seiten Lob und Anerkennung dafür. Die Stimmung im Land ist von „Hurra, wir säen Blühwiesen“ umgeschlagen zu der Erkenntnis, dass eine extensive Pflege und Förderung der vorhandenen Pflanzen die beste Lösung und das Anlegen von Blühwiesen mit Regio-Saatgut eher ein „Notnagel“ für artenarme Flächen ist. Unser Aufsatz in „Betrifft: Natur“ 2/20 hat diesen Sinneswandel maßgeblich gefördert. Wir freuen uns auch, dass das Oldesloer Konzept von anderen Gemeinden und auf privaten Flächen nachgeahmt wird.
In diesem Sommer wird der Insekten-Spezialist Norbert Voigt drei Insektenschutzflächen in Bad Oldesloe untersuchen, um die Auswirkung des neuen Pflegekonzeptes zu ermitteln. Die Finanzierung haben wir durch das Einwerben von Zuschüssen vom NABU-Bundesverband und von der Gladigau-Stiftung gesichert. Wir hoffen, dass er bei seinem Vortrag am 26.10. erste Ergebnisse vorstellen kann.

- Die Biotopkartierungs-Gruppe hat inzwischen fast alle zugänglichen Biotope im Gemeindegebiet von Bad Oldesloe botanisch kartiert. Insgesamt wurden über 160 Pflanzenarten der neuen Roten Liste einschließlich Vorwarnliste gefunden. Viele artenreiche Flächen gehören der Stadt selbst, die solche Flächen seit über 40 Jahren angekauft hat und wo nötig extensiv pflegt. Die Stadt leistet damit einen großen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Wir stellen unsere Daten der Stadtverwaltung zur Verfügung, um den Schutz und ggf. Pflegekonzepte zu optimieren.

- Die Stadt Bargteheide brüstet sich gerne damit, dass sie schuldenfrei ist. Aber das ging auf Kosten der Natur, Bargteheide hatte sich oft mit rücksichtslosen Planungen (z.B. eine Straße durch Ausgleichsflächen parallel zur Lohe) schuldig gemacht am allseits beklagten Verlust der Biodiversität. Immerhin beginnt man jetzt über Renaturierungsmaßnahmen im Bargteheider Moor nachzudenken. Bad Oldesloe dagegen engagiert sich schon seit Jahrzehnten im biologischen Klimaschutz, z.B. mit dem Ankauf und der Renaturierung der Wolkenweher Niederung und der Wökenitzniederung.

- Auch das NSG Brenner Moor ist mit seinem Besucherinformationssystem Vorreiter im Land und hat einen guten Ruf. Mehr als 10.000 Flyer haben wir in den letzten 5 Jahren verteilt. Aber es gibt ein Problem: Seit fast 40 Jahren schauten wir in verständnislose Gesichter, wenn wir Besuchern sagen mussten, dass der Oldesloer Angelverein im NSG angeln darf. Warum bekommt der Naturschutz in einem Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet nicht den ihm inzwischen rechtmäßig zustehenden Vorrang vor einer Nutzung von Hobby-Anglern? Die Besucher dürfen die Wege im NSG nicht verlassen und müssen ihre Hunde anleinen, aber das war schwer durchzusetzen, wenn sich gleichzeitig Angler nicht an die NSG-Bestimmungen halten mussten und ihre Pfade und Angelplätze in die Ufervegetation traten. Der langfristige Pachtvertrag ist 2021 ausgelaufen und die Stadt hat angekündigt, ihn nicht zu verlängern. Wir hoffen, dass die Stadt das durchhält. Der Vorstand des Angelvereins ist leider völlig uneinsichtig und unsensibel und verlangt einen neuen Pachtvertrag.

Die Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde des Kreises Stormarn ist ebenfalls intensiver geworden, denn Ulrike Graeber ist jetzt Kreisnaturschutzbeauftragte und Andreas Hack stellvertretender Kreisnaturschutzbeauftragter.

Wegen der schwierigen Corona-Situation trauen wir uns auch für 2022 nicht, ein gedrucktes Programm herauszugeben. Wir stellen aber ein paar Termine zusammen und hoffen, dass sie nicht ausfallen müssen. Schauen Sie vorher auf unsere Homepage, dort aktualisieren wir unser Veranstaltungsangebot.
Wenn möglich würden wir auch weitere Führungen anbieten, die wir über die Homepage und die Presse ankündigen, z.B. Fledermäuse in Altfresenburg, Pflanzen und Insekten auf dem alten Friedhof, Führungen an Timms Teich, in der Wolkenweher Niederung und im Brenner Moor, Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln u.ä.. 

Wir freuen uns, wenn wir Sie auf diesen oder neu angekündigten Veranstaltungen sehen.
Bleiben Sie gesund! 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

für den Vorstand Klaus Graeber