Die Storchensaison 2013 begann mit einer Überraschung insbesondere für die 5 Störche, die bereits Anfang März aus Spanien zu uns zurückgekehrt waren. Ein Wintereinbruch mit 3 Wochen lang geschlossener Schneedecke machte ihnen zu schaffen. Sie können zwar problemlos Temperaturen bis - 30 Grad aushalten, weil der Blutkreislauf in ihren Beinen einem Wärmetauscher gleicht und so kein kaltes Blut bis in ihren Körper gelangt. Außerdem haben sie ein sehr dichtes Daunenfederkleid, das sie vor einem Auskühlen schützt.

Problematisch kann allerdings die Ernährungslage werden. Die Störche kamen wohlgenährt von den Mülldeponien um Madrid, allerdings gehen die Reserven nach 2 Wochen auch dem Ende zu, wenn sie kein Futter finden. Somit gab es für die 5 Störche nur noch zwei Möglichkeiten entweder sie spezialisieren sich auf Maulwürfe und stehen stundenlang im Schnee, bis der nächste Haufen aufgeworfen wird oder sie ziehen in die Tidebereiche der Elbe bzw. ein paar hundert Kilometer Richtung Süden bis es schneefrei wird. Damit letzteres nicht passiert griffen einige Storchenfreunde zur Selbsthilfe und fütterten die Störche mit Hundefutter, Frischresten und Hackfleisch zu.

Es ist aber gar nicht so einfach, einen Storch an einen Futterplatz zu gewöhnen. In Seefeld beispielsweise stritten sich am Futterplatz Krähen, Möwen, Bussarde, Elstern und sogar ein Rotmilan um das angebotene Futter. Der Storch hat bei dem Trubel aber lieber gefastet und ließ sich nicht blicken. Erfolgreicher waren da die Zufütterungen in Todendorf (wo schon beide Störche da waren) und in Grönwohld (wo sich dieses Jahr nach 3 Jahren erstmals wieder ein Storch ansiedelte).

Aufgrund der Witterungsverhältnisse mussten die NABU-Storchenbetreuer auch ihre für den 06.03. geplante Storchentour, zur Reinigung und Instandsetzung der Storchennester, um 4 Wochen verschieben. Geplant ist die Storchentour jetzt für das Wochenende 06./07.04., dabei wird es allerdings auch darauf ankommen, ob schon Störche auf den Nestern sind, weil bezogene Nester nur noch im Ausnahmefall angefasst werden. Folgende Maßnahmen sind geplant:

Sprenge: reinigen

Ammersbek/Bünnigstedt: neuer Nistkorb und befüllen

Bargfeld-Steegen: ein Nest am Mittelweg neu befüllen

Tremsbüttel: reinigen

Rümpel: reinigen

Rümpel/Rohlfshagen: reinigen

Eichede: befüllen

Mollhagen: reinigen

Grönwohld: befüllen

Großensee: befüllen

Papendorf 1: befüllen

Kronshorst: Nestrichtfest mit befüllen

 

Bewohnte Nester werden in der Regel alle 3 Jahre kontrolliert und bei Bedarf gereinigt bzw. neu befüllt. Bei einigen Nestern ist das aber jährlich erforderlich, weil die Störche dort viel Silage und Grassoden einschleppen. Dieses Material verdichtet den Nestboden stark und führt zu Staunässe. Das kann man auch gut daran erkennen, wenn es im Winterhalbjahr grün auswächst. Staunässe kann gerade in ersten Lebenwochen der Jungstörche zu erheblichen Verlusten durch Unterkühlung führen, weil sich das schützende Federkleid noch nicht ausgebildet hat.

In diesem Jahr wird aufgrund der "geburtenstarken" Jahrgänge 2010 und 2011 damit gerechnet, dass mehr als 20 Storchenpaare zu uns nach Stormarn zurückkommen. Denn die Jungstörche brauchen etwa 2 - 3 Jahre, bis sie geschlechtsreif sind und sich mit einem anderen Storchenpartner ein eigenes Nest suchen. Daher werden bei der NABU-Storchentour in diesem Jahr hauptsächlich unbesetzte Nester und Nistunterlagen so hergerichtet, dass sie auf die Rückkehrer einladent wirken.

 

Kerstin Kommer / Andreas Hack

Storchenschutzgebietsbetreuer für Stormarn

im NABU Bad Oldesloe